Bd. I · Heft 03 · Mai 2026

Garni Magazin für Hotelpension, Familienhotellerie und alpinen Tourismus DACH
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Markt · Mai 2026

Die DACH-Hotellerie 2026: 65 Mrd Euro Umsatz, 55.000 Betriebe und drei Branchen-Verbände

Mit rund 55.000 Beherbergungs-Betrieben, 4,5 Millionen Betten und 65 Milliarden Euro Jahresumsatz ist der DACH-Hotelmarkt einer der größten Europas — getragen von einer mittelständischen Familien-Struktur, drei nationalen Verbänden und einer OTA-Landschaft, die die Direktbuchung neu definiert.

Die DACH-Hotellerie, also der zusammengefasste Beherbergungs-Markt Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, ist im Jahr 2026 nach übereinstimmenden Angaben der drei nationalen Verbände DEHOGA, ÖHV und HotellerieSuisse eine der größten Tourismus-Wirtschaften des Kontinents. Rund 55.000 Beherbergungs-Betriebe — etwa 35.000 in Deutschland, etwa 12.000 in Österreich, etwa 5.000 in der Schweiz und mehrere tausend gewerblich erfasste Mikro-Betriebe im Bereich der gewerblichen Ferienwohnungen — verfügen über zusammen rund 4,5 Millionen Betten. Der gemeinsam erwirtschaftete Jahresumsatz wird für das Geschäftsjahr 2025 mit rund 65 Milliarden Euro beziffert, aufgeteilt in rund 38 Milliarden Euro auf Deutschland, rund 18 Milliarden Euro auf Österreich und rund 9 Milliarden Schweizer Franken in Deutschland sei dieser Umsatz nach offiziellen Mehrwertsteuer-Statistiken seit dem Vor-Pandemie-Jahr 2019 wieder vollständig erreicht und in den oberen Klassifizierungs-Klassen sogar deutlich überschritten.

Familien-Struktur als Mittelstands-Rückgrat

Was den DACH-Markt im internationalen Vergleich auszeichnet, ist die ausgeprägte Familien- und Mittelstands-Struktur. Nach Auswertungen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands sind rund 75 Prozent aller Beherbergungs-Betriebe inhaber:innen-geführt oder familien-besessen; in Österreich liegt dieser Wert nach Erhebungen der Statistik Austria sogar bei über 80 Prozent, in der Schweiz nach Daten des Bundesamts für Statistik bei rund 70 Prozent. Diese Strukturmerkmale stehen in deutlichem Kontrast zu den überwiegend Marken-getragenen Hotelmärkten Frankreichs, Großbritanniens oder der USA, in denen die internationalen Ketten — Marriott, Accor, IHG, Hilton, Wyndham — deutlich höhere Marktanteile halten.

Im DACH-Raum bewegen sich die internationalen Ketten dagegen mit einem Anteil von etwa 18 Prozent der gewerblich erfassten Bettenkapazität auf einem im europäischen Vergleich moderaten Niveau. Mit etwa 26 Prozent fällt der Anteil in der Stadt-Hotellerie höher aus, in der klassischen Tourismus-Hotellerie der Alpen, der Mittelgebirge, der Küsten und der mittelständischen Städte deutlich niedriger — hier dominieren weiterhin die in der dritten und vierten Generation geführten Familien-Häuser. Das Garni-Hotel und die kleinere Pension, also jene Beherbergungs-Formate ohne eigenes À-la-carte-Restaurant, machen nach DEHOGA-Schätzung allein in Deutschland rund 8.500 Betriebe aus — eine Größenordnung, die die kulturelle Bedeutung dieser Formate für den DACH-Tourismus unterstreicht.

Drei Verbände, drei Traditionen

Die berufs-ständische Vertretung der DACH-Hotellerie ist ebenso föderal wie der Markt selbst. In Deutschland teilen sich zwei Verbände die Repräsentations-Aufgabe. Der DEHOGA Bundesverband, gegründet 1949 in Frankfurt am Main und heute mit Sitz in Berlin, vereint unter dem Dach des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands sowohl Hotellerie als auch Gastronomie und kommt nach eigenen Angaben auf rund 220.000 Mitglieds-Betriebe — ein Wert, der ihn zu einem der mitglieder:innen-stärksten Wirtschaftsverbände der Bundesrepublik macht. Der DEHOGA agiert in den 16 Bundesländern über eigenständige Landesverbände, die regional in Bezirks- und Ortsverbänden weiter untergliedert sind.

Parallel dazu vertritt der Hotelverband Deutschland IHA seit der Verbands-Reform 1996 vor allem die größeren, klassifizierten und international ausgerichteten Häuser. Mit rund 1.500 Mitglieds-Betrieben — darunter die meisten in Deutschland tätigen Marken-Hotels — repräsentiert die IHA zwar zahlenmäßig nur einen Bruchteil der DEHOGA-Mitgliedschaft, in Umsatz-Größenordnungen aber einen erheblichen Teil des deutschen Hotelmarktes. Beide Verbände kooperieren in der Hotelstars-Union-Klassifizierung und in der Vertretung gegenüber Bundesgesetzgeber und EU-Kommission.

In Österreich übernimmt der Fachverband Hotellerie der Wirtschaftskammer die Pflicht-Vertretung, ergänzt um die Österreichische Hoteliervereinigung ÖHV als freiwillige Interessen-Organisation der eigenständig geführten Häuser. Die ÖHV, 1953 in Wien gegründet, zählt rund 1.600 Mitglieds-Betriebe und konzentriert sich auf die gehobene und mittelständische Privat-Hotellerie. In der Schweiz übernimmt HotellerieSuisse, hervorgegangen aus dem 1882 in Luzern gegründeten Schweizer Hotelier-Verein, die zentrale Repräsentations-Aufgabe und verbindet mit ihren rund 2.500 Mitglieds-Betrieben die älteste durchgängige Hotelverbands-Tradition im DACH-Raum.

Die OTA-Landschaft: Booking, Expedia, HRS

Die strukturelle Auseinandersetzung der DACH-Hotellerie mit den Online-Travel-Agencies prägt das Jahr 2026 unverändert. Booking.com, gegründet 1996 in Amsterdam und seit der Übernahme durch die heutige Booking Holdings 2005 börsennotiert, hat in DACH einen geschätzten Marktanteil von rund 35 Prozent aller online-vermittelten Hotelbuchungen erreicht. Expedia, mit Sitz in Seattle und einer Plattform-Familie inklusive Hotels.com und Trivago, hält rund 10 Prozent. Die in Köln 1972 gegründete HRS, die als ältester deutscher Hotelreservierungs-Anbieter eine besondere Stellung im B2B-Geschäft genießt, kommt auf rund 5 Prozent, vor allem getragen durch ihre Stärke im Geschäftsreise-Segment.

Die verbleibenden rund 50 Prozent verteilen sich auf kleinere Plattformen, auf direkt über die Hotel-Webseite gebuchte Anfragen und auf die telefonische Reservierung, die in den höheren Klassen — besonders im Fünf-Sterne-Segment und in den klassischen Kur- und Heilbäder-Destinationen — weiterhin einen messbaren Anteil hält. Die DEHOGA bezifferte den Direktbuchungs-Anteil in einer Branchen-Erhebung des Jahres 2025 auf rund 40 Prozent aller gewerblichen Übernachtungen — ein Wert, der gegenüber der OTA-Welle der frühen 2010er Jahre eine messbare Korrektur darstellt.

Die OTA-Provisionen, die je nach Plattform und Vertrags-Modell zwischen 15 und 25 Prozent des erzielten Übernachtungspreises betragen, bleiben einer der reibungs-intensivsten Posten der Branche. Die Kampagne Lieber direkt buchen, die DEHOGA, IHA, ÖHV und HotellerieSuisse seit 2017 koordiniert tragen, hat in den vergangenen Jahren spürbare Effekte erzielt; die Eigen-Vertriebs-Quote der mittelständischen Familien-Hotellerie wächst, wenn auch in moderatem Tempo.

Personalmangel als strukturelle Wende

Der drängendste Strukturwandel der Branche ist im Jahr 2026 jedoch ein anderer: der gravierende Fachkräfte-Mangel. Nach aktuellen Berechnungen der drei DACH-Verbände sind im Beherbergungs- und Gastronomie-Sektor zusammen rund 60.000 Stellen unbesetzt, davon allein rund 38.000 in Deutschland, rund 14.000 in Österreich und rund 8.000 in der Schweiz. Besonders betroffen sind die Berufsfelder Service, Küche und Housekeeping; in den Tourismus-Regionen der Alpen, der Nord- und Ostseeküste, des Schwarzwalds und des Salzkammerguts ist der Personalmangel zu einem strukturellen Engpass geworden, der die Auslastungs-Optionen einzelner Betriebe in den Spitzen-Saisons konkret begrenzt.

Die Ursachen sind vielschichtig. Die Pandemie-Jahre 2020 bis 2022 haben in der Branche zu Abwanderungs-Wellen in andere Wirtschaftszweige geführt — vor allem in Logistik, Pflege und Handel —, die sich nur teilweise umgekehrt haben. Die demografische Lücke der mittleren Geburts-Jahrgänge wirkt sich im Servicebereich besonders sichtbar aus. Die Anforderungen an Arbeitszeit-Souveränität, planbare Frei-Tage und tariflich gesicherte Lohn-Strukturen haben sich gewandelt; jene Betriebe, die diese Erwartungen am offensichtlichsten erfüllen, gewinnen im Wettbewerb um qualifiziertes Personal. Die DEHOGA hat 2024 einen flächendeckenden Mindestlohn-Plus-Tarif vereinbart, der die Branche in mehreren Schritten an das Lohnniveau benachbarter Wirtschaftszweige heranführen soll; die Reaktion der mittelständischen Familien-Betriebe ist heterogen.

Wachstums-Segmente und Nachhaltigkeit

Nicht alle Strukturwandel-Linien laufen in Richtung einer Verengung. Mehrere Segmente verzeichnen 2026 ein robustes Wachstum. Das Wellness-Hotel, definiert über einen ausdifferenzierten Spa- und Therapie-Bereich, wächst nach Branchen-Erhebungen DACH-weit mit jährlich rund 5 Prozent — getragen vom Trend zur Selbstfürsorge, vom demografisch wachsenden Pflege-Vorbereitungs-Bewusstsein der Babyboomer-Generation und vom anhaltenden Erfolg etablierter Heilbäder. Das Bio- und Nachhaltigkeits-Hotel, dokumentiert über Zertifikate wie GreenSign, EU-Ecolabel, Biohotels-Verband oder die ISO-Norm 14001, hat in DACH inzwischen rund 1.800 zertifizierte Häuser erreicht und wächst mit zweistelligen Jahresraten.

Das Business-Travel-Segment, das in den Pandemie-Jahren am stärksten unter Druck stand, hat sich seit 2023 auf einem strukturell veränderten Niveau eingependelt. Während die Buchungs-Volumina das Vor-Pandemie-Niveau noch nicht erreicht haben, sind die Buchungs-Längen pro Aufenthalt gewachsen — ein Effekt der zunehmend hybriden Arbeitsformen, die geschäftliche Termine mit privaten Verlängerungen kombinieren und damit eine neue Mischform schaffen, die in der Branche als Bleisure-Travel firmiert.

Strukturierte Robustheit, offene Fragen

Was den DACH-Hotelmarkt 2026 prägt, ist die Kombination aus struktureller Robustheit und aktuell offenen Fragen. Die mittelständische Familien-Hotellerie hat die Pandemie überraschend gut überstanden — auch dank umfangreicher staatlicher Stützungs-Programme in allen drei Ländern, vom deutschen Überbrückungs-Hilfe-Programm über die österreichischen Umsatzersatz-Pakete bis zu den Schweizer COVID-Härtefall-Geldern. Die Übernachtungs-Zahlen 2025 haben in Deutschland und Österreich das Niveau von 2019 wieder erreicht und teilweise überschritten; in der Schweiz liegen sie leicht darüber.

Die offenen Fragen — Personalmangel, OTA-Provisionen, Energie- und Nachhaltigkeits-Investitionen, der Umgang mit dem digitalen Direkt-Vertrieb, die Erwartungen an Barrierefreiheit und an Nachhaltigkeits-Berichts-Pflichten nach EU-CSRD — werden die Branche durch die zweite Hälfte der 2020er Jahre begleiten. Die drei Verbände DEHOGA, ÖHV und HotellerieSuisse koordinieren ihre Positionen in der HOTREC, der europäischen Dachorganisation in Brüssel, zunehmend eng. Was das Jahr 2026 in dieser Hinsicht zeige, sei eine Branche, die sich ihrer mittelständischen Identität bewusst bleibe, ohne den Anschluss an die strukturellen Veränderungen des Marktes zu verlieren — eine Balance, die im europäischen Vergleich keineswegs selbstverständlich sei.


Ressort: Markt